Ab ins Paradies

Den zweiten Teil der Reise starteten wir in Pune, wo ein paar Freunde von mir ebenfalls als Freiwillige arbeiten – dort haben wir auch in der WG einer Freundin gewohnt. Wir haben ein paar schöne Tage mit viel Austausch verbracht, sind ins Kino gegangen, Essen gegangen, haben einen Filmabend gemacht, sind shoppen gegangen und haben sogar in einer westlichen Bar Karaoke gesungen. Dort konnten wir einfach mal die Beine hochlegen, mit anderen Deutschen reden, uns herumführen lassen und hatten zum ersten Mal für längere Zeit ein richtiges Bett.

Nach diesem sehr entspannten Abstecher bei meinen Freunden ging es weiter in den kleinen Bundesstaat Goa – ins Paradies. Dort hatten wir uns für die letzten Tage unserer Reise eine Strandhütte im Süden gemietet. Goa war früher portugiesische Kolonie und unterscheidet sich daher etwas vom Rest des Landes. Die Alphabetisierungsrate ist sehr hoch und die meisten Leute sind Katholiken. Auch die Pilar Fathers, bei denen ich in Bhopal wohne und zu denen auch Fr. Franklin gehört, stammen eigentlich aus Goa. Unter Touristen ist es bekannt als das Aryuveda-Yoga-Paradies – und es ist wirklich wunderschön dort (auch ohne Yoga)!
In Canacone, wo unsere Standhütte direkt am Patnem Beach gelegen war, haben wir viel Zeit am Strand verbracht, im Strand-Cafe gefrühstückt, den Sonnenuntergang beobachtet und ich habe sogar versucht, im Meer zu schwimmen (die Wellen waren meine harten Gegner). Leider ist auch Goa sehr touristisch und wenig „Original-indisch“, trotzdem haben wir uns auch dort wieder einer Shoppingtour unterzogen und unsere letzten Souvenirs und Mitbringsel gekauft (etwas überteuert aber wer handeln kann ist klar im Vorteil ;) ).

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Neben Strandbesuchen haben wir uns natürlich auch dem üblichen Sightseeing gewidmet und sind dafür in die Hauptstadt Panjim und nach Old Goa gefahren. Dort haben wir uns vor allem berühmte Kirchen angeschaut, unter anderem die Basilica Bom Jesus, die größte Kathedrale in Goa (und in Goa gibt es viele Kirchen). Dort liegt in einem Mausoleum auch der Sarg von St. Francis Xavier, dem Gründer der Pilar Fathers. Er hat im 16. Jahrhundert in Goa das Christentum missioniert und gilt als Schutzpatron Goas. Die Kirche an sich ist nicht ganz so spektakulär, wenn man europäische Kathedralen gewöhnt ist, aber die Vergoldung des Altarraumes ist schon beeindruckend. Übrigens sind wir an diesem Tag die ganze Zeit mit dem Bus unterwegs gewesen, insgesamt sechs Verbindungen, über 4 Stunden und ungefähr 180 Kilometer – und das für umgerechnet 3,50 Euro!

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Doch auch die Schattenseiten einer solchen doch sehr anstrengenden Reise haben uns in Goa eingeholt. Erstens: Mit dem Roller, den wir uns gemietet hatten, sind wir prompt gegen ein parkendes Auto gefahren, weil die Bremse nicht funktioniert hat (keine Sorge, nur ein paar blaue Flecken und Kratzer). Zweitens: Nele wurde mitten in der Nacht (wahrscheinlich) von einer Ratte gebissen, sodass wir sicherheitshalber ins Krankenhaus gefahren sind und eine Nacht dort verbracht haben. Drittens: der Bus zurück nach Mumbai wurde abgesagt, sodass wir uns vor Ort schnell um einen anderen kümmern mussten. Viertens: Krankheiten jeglicher Art von Fieber über Durchfall bis hin zu Kreislaufproblemen haben uns geplagt. Nichts desto trotz haben wir die zwei Wochen doch sehr genossen und auch für mich nach fast 10 Monaten in diesem Land gab es noch so einige Kuriositäten zu entdecken.  Der letzte Zug führte und dann wieder zurück nach Mumbai, von wo wir beide uns wieder auf den Rückweg gemacht haben. Schließlich kommen in ein paar Tagen endlich meine geliebten Kinder aus den Ferien und dann möchte ich auf jeden Fall da sein. Indien ist einfach wunderschön und vor allem sehr vielfältig!IMG-20160529-WA0008

Irgendwo im Nirgendwo

Die letzten zwei Wochen habe ich wieder damit verbracht, durch das wunderschöne Land Indien zu fahren. Zusammen mit meiner lieben Freundin Nele, die für diese zwei Wochen extra hierher geflogen ist, haben wir uns Mumbai, Jaipur, Jaisalmer, Pune und Goa angeschaut (im Nachhinein ein ziemlich straffes Programm für zwei Wochen). Wie ich schon geschrieben habe, ist es im Moment sehr heiß hier und alle Menschen, die wir auf unserer Reise getroffen haben, haben gesagt, es sei die falsche Jahreszeit zum Reisen. Nichts desto trotz hatten wir zwei sehr ereignisreiche und abwechslungsreiche 14 Tage – und natürlich ist es schön, jemandem aus der Heimat sein zweites Zuhause zeigen zu können.

Gestartet hat unsere Reise wieder in Mumbai (da auch Nele dort wie meine Eltern gelandet ist) – sozusagen “Mumbai zum Dritten”. Da ich schon über diese Stadt berichtet habe, werde ich mich kurz halten. Diesmal haben wir allerdings in einer sehr süßen Backpacker-Unterkunft in Andheri übernachtet und sind in den “Genuss” gekommen, mit einem überfüllten Vorortzug zu den Sehenswürdigkeiten zu fahren. Man kann sich ja vorstellen, wie das so aussieht/riecht… Im Grunde haben wir wieder das ganz normale Touri-Programm durchgezogen, zusätzlich aber sind wir in den Sanjay Gandhi National Park gefahren. Angeblich kann man da Leoparden und Tiger beobachten – allerdings war denen auch zu heiß…

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Weiter ging die Reise nach Jaipur in Rajasthan, im Norden von Indien. Dort, in der Wüste Thar, waren es ungelogen 48 Grad und ich glaube ich habe in meinem Leben noch nie so viel und so lange geschwitzt. In Jaipur haben wir uns den berühmten Stadtpalast mit dem Hawa Mahal und den Sonnentempel (Suraj Mandir) auf einem Berg angeschaut. Dort gab es unglaublich viele Affen und man hatte einen schönen Blick über die Stadt. Zwar waren wir die einzigen Touristen, die bei 48 Grad den Aufstieg gewagt haben, aber mit viel Wasser, ausreichend Sonnencreme und einer Kopfbedeckung ist auch das machbar. Jaipur ist die Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan und sieht komplett anders aus als Mumbai oder Bhopal (oder die anderen Städte). Jaipur hat mit seinen Sandsteingebäuden und der trockenen Hitze eine ganz andere Ausstrahlung als zum Beispiel Mumbai mit der hohen Luftfeuchtigkeit und den viktorianischen Gebäuden. Schon beeindruckend, dass diese Städte trotzdem zu ein und demselben Land gehören.

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Von Jaipur ging es weiter nach Jaisalmer, einer kleinen Stadt mitten in der Wüste an der Grenze zu Pakistan. Von dort hatten wir eine zweitägige Kameltour durch die Wüste gebucht, einschließlich Übernachtung „Irgendwo im Nirgendwo“ unterm Sternenhimmel. Nach unserer Ankunft am Morgen haben wir kurz die Stadt besichtigt und sind dann am Nachmittag zu unserer Safari aufgebrochen. Mit dem Jeep wurden wir ca. eine halbe Stunde aus der Stadt raus zu einem Treffpunkt in der Wüste gebracht, an dem Salim, unser Kamelführer mit den beiden süßen Kamelen Little Johnny und Raja (auf Hindi König) auf uns wartete. Hinter unseren Satteln waren so etwas wie Wasserflaschen, Decken und Verpflegung untergebracht. Ungefähr drei Stunden dauerte der beeindruckende Ritt durch die Sandwüste Thar zu unserem Schlafplatz für diese Nacht. Das Schaukeln des Kamels, die Landschaft (eine Mischung aus Sanddünen, kleinen Sträuchern und anderen Kamelen) und die unglaubliche Ruhe sind eine willkommene Abwechslung zu dem Gewusel indischer Großstädte. Es war sogar so still, dass meine Ohren gerauscht haben. Salim hat für uns mitten in der Wüste mit den mitgebrachten Lebensmitteln ein leckeres Abendessen über dem Feuer zubereitet, während wir durch die Sanddünen gewandert sind und den Sonnenuntergang beobachtet haben. Wirklich gut haben wir zwar nicht geschlafen, weil drei Wüstenhunde neben unserem Schlafplatz ihren Revierkampf ausgetragen haben. Trotzdem ging es früh am Morgen wieder nach Jaisalmer – zurück in die Zivilisation.

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Dürre

Seit einiger Zeit beherrscht ein Thema die indische Presse besonders: die Dürreperiode in Südasien. Dieses Jahr ist der Sommer so heiß wie nie und die Hitze so drückend wie seit Langem nicht mehr. Die Temperaturen im März waren die höchsten seit 25 Jahren. Es ist die schlimmste Dürre seit mehr als 10 Jahren.
Die Folgen davon sind gravierend. Viele Menschen hier leiden unter der  Wasserknappheit und gerade auf dem Land ist die Situation besonders schlimm. Die meist arme Landbevölkerung arbeitet vorwiegend als Bauern und hat selten fließendes Wasser, sondern ist abhängig von den Brunnen, die teilweise mehrere Kilometer von den Dörfern entfernt sind. Erst kurz nach Ostern habe ich wieder so ein Dorf mitten im Nirgendwo besucht, um meine gute Freundin und Arbeitskollegin Shanti zuhause zu besuchen. Wegen der starken Hitze sind die Brunnen der Dörfer meistens ausgetrocknet. Das führt dazu, dass die Menschen nicht nur kein Wasser zum Waschen, Kochen und Trinken haben, sondern ihre Felder auch unbewässert bleiben und die Tiere nicht getränkt werden können. Die Ernte bleibt aus und die Tiere sterben. Immer wieder lese ich in Zeitungen, dass sich Bauern umbringen, weil sie keinen Ertrag mehr haben und die Familien nicht weiter ernähren können. Aber auch in den Großstädten ist die Situation bedrohlich. Wegen der Überbevölkerung kommen immer mehr Menschen in die Städte und die allgemeine Wasserversorgung reicht schon lange nicht mehr für alle aus. Die Hitze führt zusätzlich dazu, dass natürliche Wasserquellen wie Seen und Flüsse ebenfalls wegfallen und die Zahl der Bakterien und Keime im Wasser steigt.
Die Regierung Indiens reagiert, indem sie Züge mit Wassertanks aus den Städten in die ländlichen Gebiete transportiert, um dort das Wasser zu verteilen. Des Weiteren wurden Cricketspiele verboten, da der Rasen normalerweise auch mit Wasser bewässert werden muss. Langfristig sind diese Wassertransportzüge aber keine Lösung für das Problem. Laut den Menschen in meiner Umgebung ist es nötig, Wasser besser abzufangen und zu speichern, aber auch das vorhandene Wasser nicht mehr so zu verschmutzen (z.B. Abwassereinleitung in Seen oder Leichen im Ganges).

Im Moment haben wir in Shanti Nagar noch immer fließendes Wasser. Aber um die Kinder, die im Moment in den Ferien bei ihren Familien sind, macht sich Father Franklin schon Sorgen. Viele Familien, die Barelas zum Beispiel, leben nämlich auch von der Landwirtschaft. Hoffentlich geht alles gut…

Kleines Update – Ferien

In den letzten Wochen ist einiges passiert hier in Bhopal, daher wollte ich kurz einmal berichten, wie es mir so ergangen ist.

Seit Mitte März hat der indische Sommer voll zugeschlagen und ich schwitze hier bei Temperaturen bis zu 43 Grad vor mich hin. Da es besonders mittags schlimm ist, haben wir in den letzten Wochen mit den Kindern von 1-3 Uhr Mittagsschlaf gemacht, da an alles andere als in seinem Zimmer zu liegen und den Ventilator zu genießen sowieso nicht zu denken ist.
Ende März waren zwei sehr wichtige Feste: Holi (für die Hindus) und Ostern (für uns Christen). Holi ist das Fest der Farben und Einigen vielleicht ein Begriff. Die Hinduistische Bedeutung ist  - wie so oft – nicht ganz eindeutig, aber es geht wohl wieder um den Sieg eines guten Gottes gegen einen Bösen oder einen Dämon. An diesem Tag bewerfen sich die Inder mit Farbpulver oder gefärbtem Wasser. Ein sehr spaßiges Erlebnis :) Auf den Straßen sind überall Farbflecken zu sehen und die Menschen, egal ob jung oder alt, haben überall Farbe. Ich durfte an dem Tag mit meiner Freundin Shanti und ihren Freundinnen zusammen feiern. Die Kinder hatten zwar schulfrei und manche Eltern sind vorbeigekommen, aber ansonsten haben wir im Hostel leider nicht so viel gefeiert, da die Abschlussprüfungen anstehen. Mit meinen Mädels zusammen allerdings haben wir eine ziemliche Wasserschlacht veranstaltet :D Zunächst nur mit Farben (hauptsächlich pink..), dann kam allerdings das Wasser und wir haben keine Ruhe gegeben, bis nicht jeder von uns einen Eimer Wasser abbekommen hatte. Danach waren wir etwas erschöpft und haben gegessen und uns abgeduscht (ich musste danach noch zweimal duschen, weil die Farbe einfach nicht abging), um dann direkt wieder zu den neuesten Bollywood-Hits zu tanzen. Ein wirklich sehr schöner Tag. Hier ein paar Eindrücke:

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Ostern wurde bei uns natürlich auch gefeiert. Karfreitag gab es eine große Messe, zu der auch alle Kinder erscheinen mussten, die dann drei Stunden dauerte. Davor wurde der Kreuzweg gebetet. An sich haben sich die Gottesdienste im Wesentlichen nicht von der Karwoche in Deutschland unterschieden, daher verschone ich mit Details. Die Osternachtsmesse war besonders schön, es gab ein Osterfeuer und alle zusammen sind mit Gesang und Kerzen eingezogen. Natürlich hatte ich zur Feier des Tages auch einen Saree an, den ich sogar diesmal komplett alleine gewickelt habe. Nach der Messe (also so um 3 Uhr nachts) gab es dann draußen Kuchen und Tee für alle und es wurde getanzt (ja, auch ich trotz Saree).

Direkt in die Osterwoche und auch danach sind auch die Abschlussprüfungen der Kinder gefallen, denn am 30.03. hat hier das Schuljahr geendet. Wir hatten also ordentlich zu tun, mit den Kindern alles zu wiederholen und nachzuholen. Obwohl ja alle Kinder in die erste Klasse gehen, sind die Lerndefizite wirklich enorm und so wurden wir drei (Shanti – Hindi und Sachkunde, Ajay – Mathe und Englisch und  Ich – irgendwie alles) ziemlich gefordert. Wir haben Probetests entworfen, um zu sehen, wo die Kinder noch Schwierigkeiten haben und dann versucht, so gezielt wie möglich vorzubereiten. Dabei ist mir zum ersten Mal wirklich klar geworden, wie frustrierend die Arbeit als Lehrer eigentlich sein kann.

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Als dann die Prüfungen geschafft waren, war es Zeit, auch mal zu entspannen und es ruhiger angehen zu lassen – und alle anderen anfallenden Arbeiten zu erledigen. Wie ich ja schon in meinem Artikel über die Ernährung hier geschrieben habe, haben wir hier ein riesiges Feld, das wir zur Selbstversorgung bewirtschaften. Und die Zwiebeln und der Knoblauch wollten unbedingt geerntet werden. Zusammen einigen Kindern wurde in mühsamer Handarbeit alles abgeerntet, sodass wir jetzt einen Zwiebel- und Knoblauchvorrat für ein Jahr haben.

Da die Kinder erst am 13.04. endgültig von ihren Eltern abgeholt wurden, hatten wir natürlich auch noch mehr Zeit, mit den Kindern etwas zu machen. Morgens sollten wir schon mal in den Stoff der 2. Klasse reinschnuppern (allerdings habe ich das ganze sehr locker gesehen – schließlich waren Ferien und die Kinder hatten wirklich hart für die Prüfungen gearbeitet). Neben Feldarbeiten durften die Kinder eben auch viel Spielen und sogar öfter Fernsehen gucken (sonst nur am Wochenende erlaubt).

Einen Nachmittag habe ich vorgeschlagen, mit den übrigen Wachsmalstiften und Papier die Kinder malen zu lassen. Sie haben zwar so etwas wie Kunstunterricht in der Schule, in dem sie malen, aber in ihrer “Freizeit” zu basteln oder zu malen ist nicht üblich hier. Da aber alle Materialen da waren und wir Zeit hatten, hatten die Schwestern nichts dagegen und waren froh, dass ich die Kinder so eine Weile beschäftigt habe. Da sie eben sonst so etwas nicht machen und es nur aus der Schule kennen, waren sie auch etwas verwirrt, als ich gesagt habe, dass sie malen können, was sie wollen und dass es auch nicht bewertet wird. Kreativität und Individualität haben im indischen Schul- und Bildungssystem viel weniger Priorität als in Deutschland.

Ein paar Anweisungen habe ich ihnen dann doch gegeben, zum Beispiel sollten sie die Landesflagge malen – das interessante Ergebnis sehr ihr hier (genauso wie weitere Bilder):

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Larki aur larka – ein Junge und ein Mädchen

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Khana kha liya?

 

Khana kha liya? – Hast du schon gegessen? Diese Frage wird mir jeden Tag mindestens zwanzigmal gestellt. Heute möchte ich sie zum Anlass nehmen und einmal berichten, was ich so hier in Indien den ganzen Tag esse.

Das Hauptnahrungsmittel in Indien ist Reis. Als weitere Lebensgrundlage dient Roti, eine Art Fladenbrot aus Mehl, Wasser und Salz. In manchen Gebieten wird mehr Roti gegessen, in manchen mehr Reis (Chawal). Bei uns ist es ziemlich ausgeglichen. Ansonsten gibt es eher wenig Fleisch, vor allem aber Hühnchen. Da die Kuh heilig für Hindus ist, ist Kuhfleisch für sie verboten. Bekannt ist Indien ja vor allem für seine Gewürze und ich kann sagen, ohne indisches Masala (Gewürzmischung) gibt es hier nichts. Auch Kuhmilchprodukte sind sehr selten, für den Chai Tee wird Büffelmilch verwendet.

Zum Frühstück gibt es bei mir Capati mit Omlette und warmem Gemüsebrei (meistens Bohnen). Dazu trinke ich Chai. Bei Chai (Gewürztee) werden Milch, Wasser, Teepulver, Gewürze, Ingwer und Zucker zusammen aufgekocht – schmeckt sehr süß, aber auch sehr lecker. Morgens schon warm zu Essen ist etwas gewöhnungsbedürftig, genauso wie die Tatsache, dass Capati sehr füllend ist. Die Kinder essen süßen Reisbrei und trinken warme Milch.

Zum Mittagessen gibt es – natürlich – Reis mit Dal (Linsenbrei) und dazu verschiedenes Gemüse. Meistens gibt es dazu noch “Salad” (geschnittene Rohkost) und je nach Saison eine Kleinigkeit dazu. Zeitweise war es Papad, eine Art knuspriges Fladenbrot, im Moment gibt es gekochte Rote Beete, weil die gerade im Garten wächst. Mittagessen gibt es um 12.30 Uhr – Abendessen zwischen 7.30 Uhr und 8.00 Uhr. Dazwischen gibt es nichts außer noch mehr süßen Chai, es sei denn man hat einen kleinen Keks-Vorrat im Zimmer ;) Die Kinder essen Mittags Reis und Dal.
Zum Abendessen gibt es natürlich auch Reis und Dal und Gemüse. Die Kinder essen Capati und Gemüse. Das klingt jetzt etwas eintönig, aber man gewöhnt sich dran und dadurch, dass das Gemüse jeden Tag variiert, bleibt eine gewisse Vielfalt.
Trotzdem gab es natürlich auch Phasen hier, in denen ich Reis und Dal auf das tiefste verflucht habe und so etwas wie Pizza, Döner oder Brötchen vermisst. Aber auch darüber bin ich schnell hinweggekommen.

Gemüse zubereiten heißt hier bei uns in Indien, dass klein geschnittenes Gemüse zusammen mit Knoblauch, Öl, Zwiebeln, Chilli, Masala und etwas Wasser so lange durchgekocht, bis es sehr weich ist und mit dem Reis zusammen mit der Hand gegessen werden kann. Sehr beliebt sind Kohl, Blumenkohl, Miniauberginen, Bohnen und Linsen, Rettich und Spinat. Außerdem gibt es so etwas wie Ladys Finger, Drumsticks und Bittergourd – alles drei längliche Gemüsesorten, die es vor allem in Asien gibt. Das Gemüse ist oft scharf, da Chilli mitgekocht wird, aber auch daran gewöhnt man sich.

Gekocht wird das Essen hauptsächlich von einem Ehepaar und dem weiteren Staff bei der Kochstelle. Gekocht wird auf Feuer, sodass auch bei Stromausfall Essen zubereitet werden kann. Für 120 Kinder täglich Capati zuzubereiten ist natürlich viel und harte Arbeit, denn man muss das Mehl, das Wasser und das Salz mit der Hand zu einem Teig kneten und dann zu kleinen Fladenbroten rollen und einzeln über dem Feuer backen. Das gibt mehr Armmuskeln als jedes Fitnessstudio.

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“Uncle” beim Capatis backen…

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… und beim Teig kneten

Das Hostel ist hauptsächlich Selbstversorger. Das Gemüse, was wir und die Kinder essen, wird im eigenen Garten angebaut. Hinter dem Haupthaus eine große Fläche voller Felder, auf denen Weizen, Mais, Blumenkohl, Spinat, Karotten, Zwiebeln, Knoblauch und Auberginen angebaut werden, sowie Mangobäume, Guavabäume und andere Obstbäume wachsen. Die hauseigenen Hühner, Hasen und Schweine dienen ebenfalls als Nahrungsmittel (auch für die anderen Hostels und die Priester) und die Tiere essen zum Beispiel auch die Reste, die von den Kindern übrigbleiben. Außerdem gibt es ein Truthahnpärchen, Tauben, Gänse, einen Hund und eine Ziege. Die Kinder mögen es übrigens sehr, auch auf dem Feld mitzuarbeiten und die Tiere zu füttern oder wieder in den Stall zu treiben. Auch ich habe schon so manche Karotten geerntet oder Guavas gepflückt.

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So viele Guavas

Hasenbabys gibts auch regelmäßig

Hasenbabys gibts auch regelmäßig

Auch die anderen Hostels haben eigene Gärten und die Milch beispielsweise kommt von den Kühen beim Mädchenhostel. Es ist abwechslungsreich, auch Aufgaben wie Hasen füttern oder Karotten ernten zu haben, und natürlich ist es ein schönes Gefühl, nur Gemüse zu essen, welches auch selber angebaut wurde. Alles, was wir nicht selbst anbauen, kaufen wir auf dem Markt ein. Jeden Mittwoch gehen wir auf den Gemüsemarkt und kaufen außerdem Dinge, wie Haaröl, Seifen, Schulhefte, Stifte oder neue Slipper für die Kinder. Einmal im Monat liefert ein LKW Reis, Linsen (für Dal), Öl und Salz.

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Mumbai zum Zweiten

Mumbai ist mit 20 Millionen die größte Stadt Indiens. In ihrem Gewühl an Autos, Taxis, Hupen, Straßenverkäufern, Bettlern und Straßenständen fühlt man sich oft etwas verloren und hilflos, wenn man das erste Mal in einer indischen Millionenstadt ist. Genauso ging es mir, als ich Anfang August in Mumbai gelandet bin und die ersten zwei Tage dort verbracht habe. Nun, fast 6 Monate später, habe ich die Stadt ein zweites Mal besucht – und zwar zusammen mit meinen Eltern.

Es ist zwei Uhr nachts in Indien, ich bin seit 6 Uhr wach und habe einen normalen Arbeitstag hinter mir sowie die Geburtstagsfeier des Schulleiters Fr. Remy. Dementsprechend müde stehe ich am Flughafen für internationale Flüge und warte zwischen Taxifahrern, Shuttleservices und indischen Familien auf meine Eltern. Seit 6 Monaten haben wir uns nicht gesehen und ich bin froh, sie in meiner neuen Heimat begrüßen zu dürfen. Die Taxifahrt zum Hotel ist von Wiedersehensfreude und großem Aufregen geprägt, vor allem meine Eltern genießen ihre erste Fahrt durch das nächtliche Mumbai. Die vielen Autos, das Gehupe, die nicht vorhandenen Verkehrsregeln und die stickige Luft sind doch im ersten Moment sehr beeindruckend, auch wenn ich mich besonders an den Fahrstil der Inder schon gewöhnt habe.

Nach einer kurzen Nacht gucken wir uns am ersten Tag das Gateway of India, die Universität von Mumbai, den High Court und das Victoria Terminus an. Damit haben wir die wichtigsten viktorianischen Gebäude angeschaut und einiges von der Stadt gesehen, denn wir sind zu Fuß gelaufen. Viele Gebäude habe ich bei meinem ersten Besuch ja schon gesehen, dieses Mal habe ich sie allerdings viel intensiver wahrgenommen. Das Victoria Terminus oder auch Chhatrapati Shivaji Terminus ist einer der größten Bahnhöfe der Welt und so schön er auch von außen aussieht – im Inneren herrscht geschäftiges Treiben und eine ansehnliche Lautstärke. Unten sieht man ein Bild von meinem Papa im Gewimmel des Bahnhofes.

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Am Abend haben wir dann in einem kontinentalen Restaurant gegessen, wo ich meinen ersten richtigen Salat (sogar mit Käse!) nach 6 Monaten gegessen habe. Wenn man in Indien einen „Salad“ bestellt, bekommt man einfach in Scheiben geschnittene Rohkost (meistens Tomaten, Chilli, Zwiebeln, Koriander und Karotten) auf einem Teller. Salatsoße oder auch Mozarella und Schafskäse dazu sind sehr untypisch. Ich war also mit meinem Salat sehr zufrieden :)

Am zweiten Tag (mittlerweile haben sich meine Eltern an das ständige Hupen gewöhnt) haben wir uns die Elephanta Island und die zugehörigen Höhlen angeschaut. Dafür sind wir wieder zum Gateway of India gefahren und von da mit einem Boot ungefähr eine Stunde auf die Insel gefahren. Die Höhlen verehren den Gott Shiva, den Gott  der Zerstörung, und gehören zum Weltkulturerbe. Man konnte in den Höhlen verschiedene Steinstatuen anschauen, aber vor allem auch sehr flinke Affen beobachten. Einer Frau haben sie sogar die Kekse aus der Hand geklaut und aus einer Plastikflasche trinken konnten sie auch. Der Weg zur Anlegestelle ist gesäumt von den typischen Basarständen, auf denen jede Menge touri-würdiger Krams verkauft wird. Trotzdem ergattere ich eine Tasche mit Elefanten drauf – leider etwas überteuert. Nach einer kurzen Wanderung zu einem Aussichtspunkt machen wir uns wieder auf den Rückweg. Wir haben den Abend ausklingen lassen mit einem Spaziergang am Marine Drive entlang, von wo aus man den Sonnenuntergang und die Skyline von Mumbai bewundern und fotografieren kann – und mit einem Abendessen in einem italienischen Restaurant (wieder Salat für mich).

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Am nächsten Tag wollten wir uns gerne den berühmten Crawford Market anschauen und machen dabei die Bekanntschaft mit zwei typisch indischen Verlaufsmaschen. Zunächst bringt uns der Taxifahrer, statt direkt zu Market zu fahren, erst zu einem Geschäft, in dem es „günstige indische Klamotten gibt, very very good, Sir!“. Er würde uns danach auch direkt kostenlos zum Market bringen, das verspricht er – außerdem bietet er an, uns den ganzen Tag zu den Touristenattraktionen zu bringen, auch das „very,very good and clean!“. Solche Taxifahrer haben meistens eine Absprache mit den Ladenbesitzern und bekommen für jeden Touristen, den sie zum Geschäft bringen, ein Bezahlung. Auch solche Stadtrundfahrten werden oft angeboten – ich habe schon so viele Visitenkarten von Taxiunternehmen in meinem Geldbeutel. Die Menschen können ziemlich aufdringlich und vor allem geschickt sein, es hilft also, selbst geschickt zu sein und zum Beispiel zu behaupten, man habe die Sachen alle schon gesehen oder man reise Morgen ab.
Da wir dann etwas zu früh ausgestiegen sind und den genauen Weg nicht wussten, sind wir auch direkt in die nächste Touri-Falle getappt. Ein zunächst hilfsbereiter Mann, der uns den Weg zeigt, erwies sich als geschickter Marktführer, der uns überredet hat, überteuerte Gewürze an einem Stand zu kaufen, mit dem er wahrscheinlich auch einen Deal abgeschlossen hat – und wollte am Ende sogar noch Geld für seine Führung. Diese Maschen sind typisch für touristenbeladene Städte, auch in Varanasi kam so etwas häufig vor.
Nachmittags haben wir uns dann noch ein Museum angeschaut und den Mumba Devi Temple. Der Temple ist der Göttin gewidmet, die einst der Stadt MUMBAi ihren Namen gab. An unserem letzten Abend sind wir dann endlich indisch Essen gegangen. Zum Glück kannte ich schon einige Begriffe von der Speisekarte und wusste auch, was „Bitte nicht so scharf“ (Gripja panjan nahin) bedeutet. Aber die Restaurantbesitzer konnten sowieso Englisch. Am Montag ging es dann  mit dem Flugzeug wieder „nach Hause“ – nach Bhopal.

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Neujahr in Varanasi

Am 30.12. habe ich mich auf dem Weg gemacht, um Silvester mit vier anderen Freiwilligen in Varanasi zu verbringen. Die Stadt liegt in Uttar Pradesh ungefähr 700 Kilometer von Bhopal entfernt. Für viele Hindus ist diese Stadt heilig und ist bekannt für ihre religiösen Rituale am Fluss Ganges. Was Jerusalem für Christen, Mekka für Moslems ist, ist Varanasi (oder auch Benares genannt) für Hindus. Zunächst bin ich über Delhi nach Varanasi geflogen, um allerdings wirklich in die Stadt selber zu kommen, musste ich die letzten 30 Kilometer mit einem Taxi hinter mich bringen. Das war schon das erste Abendteuer, denn ich war ja schließlich alleine unterwegs und davor hatten mich alle gewarnt. Als ich also aus dem Flughafen kam, wurde ich auch direkt von einem angequatscht, der mich für 750 Rupien zu dem Hotel bringen sollte, das die anderen Freiwilligen für uns nahe des Ganges  gefunden hatten. Die Fahrt dauerte eine Stunde und der Taxifahrer war supernett und versprach mir, mich wann immer ich will von überall zum Flughafen zu bringen. Für die letzten Kilometer besorgte er mir dann noch eine Fahrrad-Riksah für wenig Geld, die mich dann zu dem Restaurant brachte, wo ich die Anderen schließlich traf.P1050665P1050632

Froh, uns nach 5 Monaten endlich wieder zu sehen, haben wir nach einem kurzen Abstecher im Guest House auch direkt die Stadt erkundet. Es gab sehr viele Touristen – die ganze Stadt scheint darauf eingestellt zu sein und nahezu jede spricht Englisch. Trotzdem fehlt es der Stadt keinesfalls an indischem Flair. Den Fluss entlang gibt es unzählige Ghats, also Treppenstufen, die für religiöse Zwecke und zum Meditieren genutzt werden. Überall werden einem Bootstouren oder Stadtführungen angeboten.
Wir inspizierten die engen Marktgassen, die erste Leichenverbrennungsstätte (Details dazu später) und auch einen der ersten unzähligen Tempel in Varanasi. Da ich in Bhopal ja mit vielen Priestern und Schwestern zusammenlebe, habe ich von der Religion des Hinduismus bis jetzt noch gar nicht so viel mitbekommen. Umso interessante r war es, die vielen Dinge, die man in Reiseführern und im Internet schon gesehen hatte, endlich auch mal „live“ zu sehen. Man sieht viele Menschen, die im Ganges baden gehen, um sich zu reinigen und sich von ihren Sünden reinzuwaschen und ihr Karma zu stärken. Nach einem kurzen Trip über den Markt haben wir dann auch so eine Fahrt mit dem Ruderboot gemacht, da man, laut Aussage unseres Bootsführers, die religiöse Zeremonie des Abends am besten vom Wasser aus betrachten kann. Übrigens hat der Besitzer des Guest Houses uns diesen Bootsmann vermittelt, genauso wie er uns auch Riksahs, Taxis und Restaurants vermitteln konnte. Mit dem Boot sind wir also bis zu einem Ghat gerudert, wo viele Kerzen und Lichter angezündet waren, Musik gespielt wurde und fünf Männer das Ritual mit viel Gebet und Räucherstäbchen zelebrierten. Zum Abendessen sind wir dann ins Guest House zurückgefahren, wo wir auf der Dachterasse (von der man den Ganges sehen konnte) ausnahmsweise sehr heimisch gegessen haben. Das Guest House hat wohl überwiegend Touristen aus anderen Ländern zu Gast, denn es gab auf der Karte auch Porridge, Rührei, Lasagne, Müsli und viele andere Sachen. So konnten wir nach 5 Monaten Reis auch mal ein mehr oder weniger gutes „Schinitzel“ oder einen guten Salat essen.P1050566P1050575P1050593

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Am nächsten Morgen sind wir dann um 5 Uhr aufgestanden, um den Sonnenaufgang am Ganges zu beobachten. Leider war es sehr nebelig, sodass die Sonne nur halb so spektakulär aussah, wie es uns der Taxifahrer beschrieben hatte. Dafür hörten wir schon von weitem ein lautes „Oooooooommmmmmm!“. Am Straßenrand fand eine Runde Meditation statt, angeleitet von einem Guru auf einer Bühne. Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg gemacht, um die vielen Tempel in Varanasi zu erkunden. Wenn man den Ganges entlang geht und von dort in die vielen Gassen einbiegt, findet man unzählige davon. Auf dem Weg hatten wir viel Zeit, uns auszutauschen, Affen zu bestaunen und die vielen Straßenhunde mit Keksen zu füttern. Auch begegneten uns viele Bettlerkinder, die von den vielen Touristen vermutlich profitieren. In den Häusern konnte man immer wieder Webstühle entdecken, mit denen echte Seidensarees und Schals produziert werden. Auch ich habe mir einen solchen Seidenschal gekauft (für das Dreifache wie in Bhopal übrigens…).

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Der größten Tempel, den wir besichtigten, war von der Göttin Shivu, einer der wichtigsten Göttinnen des Hinduismus. Natürlich mussten wir unsere Schuhe ausziehen und wurden mit einem Bindu, also einem Punkt auf der Stirn, ausgestattet. Im Inneren des Tempels gab es dann einige Steinfiguren, sehr viele Blumen und Kerzen und wieder meditierende Menschen. Manche Tempel waren allerdings auch geschlossen.P1050635 P1050570    P1050611 P1050613 P1050616

Außerdem haben wir auch eine hinduistische Leichenverbrennungsstätte direkt am Ganges gesehen. Das war wirklich sehr interessant und zeigt viel vom Glauben den Hindus. Sie werden nicht beerdigt, sondern verbrannt. Die Asche wird danach in den Ganges geworfen. Da sie an die Wiedergeburt glauben, muss der Körper nach dem Tod verbrannt werden, damit die Seele in den neuen Körper übergehen kann. Nur Schwangere, Kinder unter 5 Jahren, Leprakranke und Bettelmönche werden nicht verbrannt, da sie sowieso ins Nirwana kommen. Der Tod ist also für Hindus nichts Trauriges, sondern gehört zum Lebenskreislauf dazu. Trotzdem dürfen Frauen an der Zeremonie nicht teilnehmen, da sie, nach eigener Aussage, zu schnell weinen. Je nachdem, wie gut ihr Karma ist – also wie gut sie in ihrem Leben gehandelt haben – desto besser ist die Kaste, in der sie wiedergeboren werden. Das Ziel ist es, diesem Kreislauf zu entkommen und ins Nirwana zu gelangen.
Die Verbrennungen finden öffentlich statt, aber es dürfen keine Fotos gemacht werden, damit die Seele nicht verunreinigt wird. Aber auf christlichen Beerdigungen würde man ja auch keine Fotos machen. Der Leichnam wird auf einer Bahre mit Blumen geschmückt zum Ganges getragen und dann mit speziellem Holz verbrannt. Außerdem werden viele Gewürze dazugetan, damit das ganze nicth so stinkt. Der älteste Sohn oder Cousin entzündet den Scheiterhaufen mit dem Feuer aus einem Tempel und umrundet den Leichnam fünf Mal wegen den fünf Elementen.
All diese Informationen habe ich übrigens von einem angeblich hilfsbereiten Hindu, der uns vor Ort alles erklärt hat und Fragen beantwortet hat. Als wir alles gesehen haben und gehen wollen, fordert er allerdings Geld von uns, weil er angeblich für ein Hospiz für Menschen arbeitet, die sich die Zeremonie nicht leisten können. Das ist natürlich Quatsch. Dieser Mann arbeitet wahrscheinlich für eine Art Organisation, er hat uns sehr gekonnt um den Finger gewickelt und um uns herum standen viele Männer, die ähnlich aussahen. Da wir schon vor solchen Menschen gewarnt wurden, verschwinden wir schnell in einer Seitengasse und er lässt uns in Ruhe. Insgesamt war es natürlich etwas gruselig, eine Leichenverbrennung anzuschauen, vor allem weil man manchmal noch die Füße oder sogar die Knie aus dem Feuer hängen sieht und es eben ziemlich viele Feuer auf einmal sind. Wenn man dann aber die Bedeutung dieser Bestattung verstanden hat, ist es schon nur noch halb so gruselig. Leider kann ich an dieser Stelle keine Bilder zeigen, da das Fotografieren wie gesagt verboten war.

Den letzten Abend des Jahres haben wir dann nach einem guten Abendessen auf eine der Treppen verbracht und uns die Zeremonie am Ganges sozusagen von der Landseite angeguckt und uns einfach nur unterhalten. Allerdings wurde es mit der Zeit immer leerer in der Stadt und nicht voller, wie wir es aus Deutschland kennen. Also haben wir uns auch irgendwann auf den Weg zum Hotel gemacht. Auf dem Weg haben uns dann super viele Leute ein Happy New Year und Gute Nacht gewünscht – wie es aussieht gehen sie also schon vor Mitternacht schlafen. Auf unserer wunderschönen Dachterrasse haben wir dann um Mitternacht mit einem Milchshake angestoßen und das etwas kleine Feuerwerk und den Ganges betrachtet.

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Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem letzten Spaziergang am Ganges habe ich mich dann am nächsten Morgen wieder auf den Rückweg gemacht und bin wieder über Delhi zurück nach Bhopal geflogen. Insgesamt hatte ich drei wunderschöne Tage und es tat mir wirklich gut, mich mit den anderen Freiwilligen auszutauschen. Auch die Informationen, die ich über den Hinduismus erfahren habe, fand ich sehr interessant und hilfreich. Die Menschen aus den Hotels und Taxen und Riksahs waren alle sehr hilfsbereit, zuvorkommend und nett und sowieso wird gerne auch mal etwas länger ein Schwätzchen mit einem Ausländer gehalten.P1050691

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Weihnachten mal anders

Erst einmal wünsche ich allen Lesern frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Dieses Jahr durfte ich das erste Mal Weihnachten in einem anderen Land und in einer anderen Kultur miterleben und ich muss sagen, es war sehr aufregend und spannend.

Bevor ich von den eigentlichen Weihnachtstagen  berichte, möchte ich erklären wie wir uns hier in Indien auf die Feiertage vorbereitet haben. Im letzten Beitrag habe ich ja schon angedeutet, dass so gegen Mitte Dezember die Weihnachtszeit hier anfängt und wir Christmas Carols gesungen und Sterne aufgehangen haben. Ungefähr eine Woche vor Weihnachten ging es dann richtig los. Gemeinsam mit allen Mitarbeitern haben wir aus Bambus und anderen Naturmaterialien und Dingen, die wir im Hostel gefunden haben, den kompletten Eingangsbereich in eine Krippe verwandelt. Da ich auch in Deutschland in meiner Familie immer für die Krippe zuständig bin, hat mir das sehr viel Spaß gemacht. Sie ist echt schön geworden! Außerdem haben wir Girlanden im Essensraum aufgehangen, einen großen Stern für über dem Eingang gebaut und ich habe Bordüren für die Türen gebastelt. Hier ein paar Bilder vom Entstehungsprozess und dem Endergebnis.

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Wie man sieht, kann es gar nicht genug Lichterkette geben und alles muss schön blinken und glitzern. Etwas kitschig aber sehr schön. Besonders originell fand ich die Idee mit Grassamen und Erde „Merry Christmas“ auf den Boden zu „pflanzen“ – es ist tatsächlich sehr gut geworden. Auf dem Grasstreifen gehen die Krippenfiguren jetzt zur Krippe.P1050526P1050532

 

Am 21.12. fingen dann die eigentlichen Weihnachtstage mit der Weihnachtsfeier aller Hostels an. Wie bei fast allen Festlichkeiten bis jetzt wurden verschiedene Tänze aufgeführt und Weihnachtslieder gesungen. Auch wir hatten mit den Kindern aus dem Tribal Hostel zwei Weihnachtslieder eingeübt, bei denen ich auch kräftig mitgesungen habe. Nach ein paar Spielen mit den Kindern wurden dann die Weihnachtsgeschenke an alle Kinder verteilt. Für jedes Kind gab es einen neuen Satz Klamotten, worüber sie sich auch sehr gefreut haben. Vielen Dank an alle Spender, die dieses Geschenk für die Kinder ermöglicht haben!
Nach dieser Feier gab es noch besonderes Essen für die Kinder mit Fleisch und Ei.

Nachmittags habe ich dann mit den Schwestern Festtagsgebäck gebacken. Das eine besteht aus Teigringen, die in Öl gebadet und dann mit Zucker überzogen werden, das andere ist eine Art Teigtasche, die mit Reismehl, Gewürzen und auch Zucker gefüllt wird. Auch diese Taschen werden dann nochmal in Zucker gebadet –schließlich müssen sie vom Zuckergehalt mit den anderen indischen Süßigkeiten mithalten. Sehr lecker!

Am 23.12. war dann die offizielle Schul-Weihnachtsfeier und letzter Schultag für die Kinder. Nach erneutem Tanzen und Singen gab es sogar ein Krippenspiel. Ich konnte viele Elemente des deutschen Krippenspiels wiedererkennen und als dann „Hirten auf den Feldern singen“ auf Hindi gesungen wurde, war bei mir endgültig Weihnachtsfeeling. Einige meiner Mädels durften die Engel spielen, die in weißen Kleidern einen Engelstanz aufgeführt haben.

Hier zwei Bilder von der Feier und vom Gebäck:P1050486P1050501    P1050552

Anschließend wurden die Kinder wieder von ihren Verwandten für die Ferien abgeholt. Diesmal habe ich fast ganz alleine diese Abholung betreut, den Eltern gesagt, wann sie die Kinder wiederbringen sollen und die Zettel und die Liste geschrieben. Komplett auf Hindi versteht sich. Danach war es sehr still im Hostel. Nur ein paar Kinder sind noch eine weitere Nacht geblieben. Am 24. bin ich dann auch in die Parish in die Ferien gefahren. Dort wurde ich dann auch direkt zum Weihnachtslieder singen abgeholt. Zusammen mit Father Franklin, seiner Gitarre und ein paar Kindern sind wir mit einem Kofferraum voller Kuchen zu den verschiedenen Schwesternhäusern gefahren und haben als Geschenk Kuchen vorbeigebracht und zwei indische Lieder vorgesungen. Da singen und Musik für mich eng mit Weihnachten verbunden war, habe ich mich sehr gefreut, dabei sein zu dürfen. Sowieso gab es in den letzten Tagen unglaublich viel Kuchen. Natürlich bin ich spätabends in die Christmette gegangen, die allerdings drei Stunden dauerte. Dabei war mir durchgehend kalt, obwohl ich zwei Jacken und Kuschelsocken anhatte. Ein gutes hatte es – es gab keine Moskitos in der Kirche wie normalerweise. Nach der Messe haben sich alle Happy Christmas gewünscht und es gab Kuchen und Chai (um 1 Uhr nachts wohlgemerkt).  Nach ein bisschen Tanzen bin ich dann aber auch ins Bett gegangen.

Am 25.12., dem eigentlichen Feiertag hier in Indien, war wieder Messe um 8 Uhr und danach gab es wieder Kuchen. Ansonsten habe ich diesen und den darauffolgenden Tag damit verbracht, mit Familie und Freunden zu reden und einfach mal zu entspannen. Am 26.12. gab es dann auch noch eine kleinere Weihnachtsfeier mit den Schwestern und Priestern und Familien in den Hostels, die kochen und waschen. Wir haben sehr lustige Gruppenspiele gespielt und dann gab es wieder jede Menge Aufführungen. Eigentlich sollte ich auch etwas singen, ich kam allerdings drum herum indem ich sagte, ich hätte Halsschmerzen (was auch stimmt). Es wurde sogar Jingle Bells auf Hindi gesungen, ich hab mal den Text abfotografiert. Besonders lustig war eine ältere Dame, die während der Aufführungen immer aufstanden ist und einfach durch den ganzen Raum getanzt ist. Als zwischendurch der Strom ausgefallen ist und die Tonanlage nicht funktionierte, hat sie mit ihren Liedern die Menge bei Laune gehalten. Auch Father Valerian und Father George haben mit ihren Gitarren Weihnachtslieder vorgetragen. Wir hatten einen sehr entspannten und lustigen Nachmittag.

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Die Tage nach Weihnachten habe ich vor allem damit verbracht, auf die letzten 5 Monate zurückzublicken und zu reflektieren, was so alles passiert ist und wie ich vielleicht auch verändert habe. Schließlich ist schon fast die Hälfte meines Freiwilligendienstes rum. Ich kann sagen, dass ich auf jeden Fall sehr viel Glück mit meiner Einsatzstelle habe und im Großen und Ganzen alles problemlos verlaufen ist. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, trotzdem schaue ich voller Vorfreude auf die noch kommenden Monate.

 

Wie man vielleicht gemerkt hat, wird Weihnachten etwas anders umgesetzt als in Deutschland. Es wird nicht so aufgepuscht, da ja auch nur 2% aller Inder Christen sind. Dinge wie Weihnachtsmarkt, einen Weihnachtsbaum und sogar Geschenke und eine Bescherung gibt es gar nicht wirklich. Es geht viel mehr darum, zusammen Zeit zu verbringen, zu Essen und Spaß zu haben.Es wird eher wie ein Geburtstag gefeiert, mit Luftballons, Kuchen und Girlanden – der Geburtstag von Jesus eben.

 

Weihnachten ist auf dem Weg

Auch hier im schönen Indien kommt der Winter an. Tagsüber sind es zwar immer noch 28 Grad, abends und nachts wird es aber schon richtig kalt (um die 12 Grad). Auch morgens vor 10 Uhr ist es sehr frisch, viel frischer als ich es erwartet habe. Nachts ist es mittlerweile so kalt, dass ich mit Fleecedecke, Kuschelsocken und Schal schlafe, obwohl ich die Kuschelsocken eigentlich nur provisorisch mitgenommen habe.

An sich sollten diese Temperaturen für mich ja nichts ungewöhnliches sein, allerdings ist es schon etwas anderes, nach vier Monaten schwitzen beim Schlafen plötzlich nach einer Fleecedecke fragen zu müssen. Im Gegensatz zum Winter in Deutschland gibt es nämlich keine Heizungen in den Räumen (dafür aber reichlich Ventilatoren) und die Häuser sind sehr spärlich isoliert. In meinem Zimmer im Tribal Hostel geht das eine Fenster nicht einmal richtig zu. So fühlen sich die 12 Grad nachts mehr nach 2 Grad an. Auch morgens und abends ist es hier etwas anderes, denn fast alles findet draußen statt. Essen, Kochen, Waschen, usw. Alle Räume haben immer offene Fenster und Türen.

So kommt es, dass die Kinder abends sogar Mützen und Schals anziehen, was ich niemals erwartet hätte. Auch wenn nach dem Abendessen noch einmal Study Time ist, sitzen sie in ihre Decken gewickelt, was übrigens sehr niedlich aussieht. Nachts schlafen sie trotzdem noch mit offener Tür und bevor ich schlafen gehe, gehe ich daher mit Sister Jacinta durch die Räume und decke die Kinder, die von ihren Decken gerollt sind, wieder zu. Trotzdem sind fast alle Kinder (einschließlich mir selbst) erkältet. Angeblich soll es noch kälter werden, was ich nicht hoffe, denn ich habe nur zwei warme Pullis eingepackt.

Übrigens ist es in Indien üblich, einen großen Schal als eine Art Decke um Körper und Kopf zu wickeln, statt eine Jacke anzuziehen. Mit Saree wäre eine Jacke auch etwas schwierig. Die Schals fungieren gleichzeitig als Jacke, Schal und Mütze gleichzeitig. Im Fernsehen läuft jetzt vermehrt Werbung für Termo-Unterwäsche, die man unter die traditionelle Kleidung anziehen kann. 

Da natürlich auch ich mit einem solchen Schal, die auf Hindi tatsächlich auch Shal heißen, ausgestattet werden sollte, waren wir gestern auf dem Market in Bhopal und dort konnten wir wunderschöne Exemplare für nur 100 Rupien (also ca. 1,25 Euro) kaufen. Es gab einen riesigen Wühltisch mit jede Menge Mustern, Farben und da irgendwie alle Schals schön waren, war es sehr schwierig, sich für nur einen zu entscheiden. Es ist hier nämlich üblich, dass die Ladenbesitzer dir immer wieder neue Ware zeigen und dich so lange bequatschen, bis du nicht mehr genau weißt, was du überhaupt kaufen wolltest.

Hier einmal einen kleinen Überblick über den Wühltisch:
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Im Tribal Hostel singen wir jetzt jeden Abend indische Weihnachtslieder, ansonsten fühlt es sich nicht wirklich an wie Weihnachten. In der Kirche und in der Parish ist es sehr schön weihnachtlich geschmückt. Es gibt auch einen Adventskranz und noch mehr Kerzen als normalerweise. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf mein erstes Weihnachten außerhalb von Deutschland.

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Von Bhopal nach Delhi nach Kalkutta

Die vorletzte Woche durfte ich in Delhi und Kalkutta verbringen. Zusammen mit Fr. Franklin, Sister Jacinta und Simone, die als Journalistin 6 Wochen Fr. Franklin begleitet hat, bin ich am Sonntagabend mit dem Nachtzug nach Delhi gefahren.  Für mich war es die erste größere Reise in Indien und auch die erste Fahrt mit einem indischen Zug. Da wir in einem Schlafwagen gebucht hatten, gab es Etagenbetten und sogar Kissen und Decken. Bis auf die sehr kalte Klimaanlage konnte ich also ganz gut schlafen.

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In Delhi haben wir uns das Qutb Minar (eine alte Moschee mit einem großen Wachturm von 1193) und das India Gate (ein Denkmal für die Soldaten des 1.Weltkriegs) sowie die Gerichtsgebäude der Regierung angeguckt. Besonders aufgefallen sind mir die schönen Parks und Alleen und die sauberen Straßen. In Delhi habe ich auch zum ersten Mal Affen gesehen – mitten auf der Straße in der Nähe eines Straßenstandes beim Verspeisen einer Tüte Chips.

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Außerdem sind wir einen Tag nach Agra zum Taj Mahal gefahren – einen Ort, den man in Indien einfach gesehen haben muss. Das Wahrzeichen Indiens ist wirklich sehr beeindruckend und wunderschön. Der König Shah Jahan hat es 1648  für seine drei Frauen bauen lassen. Die drei Mausoleen sind symmetrisch aufgebaut, in der Mitte ist das bekannteste Gebäude aus weißem Marmor. Da es ein sehr touristisch geprägter Ort ist, gab es natürlich auch sehr viele Straßenverkäufer, die einem Tourikram andrehen wollten. Einige Schülerinnen, die wahrscheinlich einen Klassenausflug machen, wollen ein Foto mit mir zusammen machen. Zum Abschluss sind wir dann noch mit einer Art Kamelkutsche gefahren. Übrigens müssen Einheimische an allen Sehenswürdigkeiten 10 bis 20 Rupien (ca. 2€) bezahlen, während „Foreigners“  250 oder sogar 750 Rupien (ca. 10€) beim Taj Mahal bezahlen.

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Am nächsten Tag ging es dann mit dem Flugzeug nach Kalkutta, wo die Society of Pilar ebenfalls eine Gemeinde haben. In Kalkutta ist auch das Projekt „One meal a day“ stationiert, welches Father Franklin ins Leben gerufen hat und welches von der Indienhilfe unterstützt wird. Dank großzügiger Spenden sichert es ca. 120 Obdachlosen in Kalkutta das Überleben. Da es in Indien so etwas wie Arbeitslosengeld und Sozialhilfe nicht gibt, sind Menschen ohne Arbeit und ohne Zuhause komplett auf sich alleine gestellt. Auch das Kastensystem und das Karmasystem spielen eine große Rolle  – wenn die Menschen auf der Straße leben haben sie halt in ihrem vorherigen Leben nicht ehrenhaft gehandelt. Jeden Morgen um 7 Uhr fährt der alte Ambulanzwagen beladen mit Reis, Dal (Linsenbrei), Kartoffeln und manchmal sogar Ei oder Fleisch für etwa 120 Menschen durch die Straßen von Kalkutta. Mit an Bord sind außerdem ein Father und Suresh. Viele kommen seit etlichen Jahren – Suresh kennt sie und sie kennen Suresh. Sie stehen oder liegen am Straßenrand und erwarten das Auto schon. Mit den Worten „He, Babou (Freund)!“ begrüßt er sie und reicht ihnen das Essen aus dem Wagen.  IMG_6664

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An zwei Tagen durfte ich auch mit dabei sein, ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Suresh macht seine Arbeit mit so viel Freude und auch die Menschen wissen das zu schätzen. „I don’t need a Thank you – they thank me with a big smile.” Dieses Lachen, von dem er spricht, fällt auch mir auf. Das Projekt gibt ihnen nicht nur eine Mahlzeit zum Überleben sondern auch die Aufmerksamkeit, die sie vom indischen Regierungssystem nicht bekommen. Besonders aufwühlend war für mich eine obdachlose Familie, die nach Essen im Müll gesucht hat.

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Die drei Kinder und die Mutter mit einem Baby auf dem Arm bekommen von uns auch noch ein paar Kleidungsstücke und eine Decke, denn auch in Indien wird es bald kälter. Das Schicksal dieser  Familie bewegt mich sehr. Wie lange würde sie wohl auf den Straßen Kalkuttas ohne Hilfe überleben?
Am Ende der Tour gibt es an einem Straßenstand immer einen Chai (Gewürztee).

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Mit Father Franklin besuchten wir außerdem einen Slum nahe des Ganges und verteilen dort Kekse. „Mehr können wir für die Kinder dort leider nicht tun“, sagt Suresh, „dafür haben wir leider nicht das Geld.“ Auf dem Gelände der Parish haben sie allerdings eine Art Behandlungszimmer aufgebaut, in dem sie kostenlose medizinische Versorgung anbieten.

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In Kalkutta haben wir außerdem die St. Paul’s Cathedral und das Victoria Memorial angeschaut, beide Gebäude ähneln in ihrer Bauweise an London. Auch das Grab der Mutter Teresa und die dazugehörige Ausstellung haben wir besucht. Begleitet hat uns Father Attley, der in Kalkutta seit neustem als Provincial für die ganze Provinz Kalkuttas zuständig ist. Trotzdem hat er sich die Zeit genommen, die wunderschöne Stadt Kalkutta mit mir und Simone zu entdecken. Nahe der Parish liegt der botanische Garten von Kalkutta, den wir auch besucht haben, sowie den New Market, der leider größtenteils geschlossen war.

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Ich bin sehr dankbar, dass ich die Reise mit Fr. Franklin, Jacinta und Simone machen durfte. So konnte ich viele verschiedene Facetten  Indiens – die schönen touristischen sowie die armen Slums – kennenlernen durfte. Besonders die sehr laute, aber auch wunderschöne Stadt Kalkutta hat es mir angetan und ich hoffe, dass ich im Laufe meines Freiwilligendienstes noch einmal zurückkommen kann. Trotzdem bin ich froh, die Kinder am Montag wiederzusehen.

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